Der Garten als Speisekammer
Ich gebe zu, ich hatte noch nie das Bedürfnis der totale Selbstversorger zu sein. Ich gehöre nicht zu der fast fanatischen Gruppe Gemüseanbauer, die genügend produzieren, damit sie ihre ganze Familie und den weiteren Freundeskreis ernähren können. Allerdings habe ich den größeren Teil meines Lebens einen Gemüsegarten gepflegt und konnte ich mich von selbst gezogenem, biologisch erzeugtem Gemüse ernähren. Nicht alles und auch nicht das ganze Jahr über, aber teils.
Der Gemüsegarten ist ein wenig wie meine Speisekammer. Wenn ich nach Hause komme mache ich eine kleine Inspektion und schaue was es gibt, was gegessen werden soll, was gegessen werden könnte, und denke mir dann etwas aus.
Auch wenn mir in Berlin mein eigener Gemüsegarten fehlt und ich abhängig bin von dem was ich auf meinem Wochenmarkt finde, bei meinem lokalen Gemüsehändler oder direkt vom Produzenten kaufen kann, liebe ich das zu kochen, was gerade in Saison ist und aus der Region kommt. Es ist mir bewusst, dass es am Ende des Winters langweilig wird, aber danach ist die Freude an dem ersten neuen Gemüse und frischen Kräutern einfach so viel größer. Es ist wie das Wiedersehen von einem alten, beliebten Freund.
Ich finde es schwierig im Winter Sommergemüse zu kaufen wie Zucchini oder Tomaten, oder zu Weihnachten noch Spargel im Angebot zu sehen. Es ist nicht nur, dass dieses Gemüse eine unnötig lange Reise hinter sich hat, es passt einfach nicht zu der Jahreszeit. Aus dem gleichen Grund vermeide ich auch das Einmachen oder Einfrieren von großen Mengen der Ernte. Außerhalb der Saison schmeckt es einfach nicht so gut und bevor man es weiß, steht die neue Ernte vor der Tür und hat man immer noch so viel vom Vorjahr übrig. Mit einigen Ausnahmen wie Grundnahrungsmittel, auf die ich das ganze Jahr zurückgreife, wie Marmeladen, eingelegte Knoblauchzehe oder Tomatensugo, limitiere ich meine Reserven auf einige Portionen, um die Saison zu verlängern. Mit dem Rest beglücke ich lieber Nachbarn, Freunde und Familie.
Es braucht nicht viel, um ein wenig Nahrung anzubauen. Das einzige kritische ist Sonnenlicht. Gemüsepflanzen brauchen wirklich einen sonnigen Standort, besonders alle fruchttragenden Pflanzen, wie Tomaten, Auberginen, Bohnen und Zucchini. Blattgemüse wie Salat und Spinat könnte man in einem halbsonnigen Bereich probieren, aber der Ertrag wird nie so gut sein. In unserem berliner Innenhofgarten gab es leider davon nicht genug. Es reichte gerade für ein paar nicht allzu anspruchsvolle Kräuter, die das einzige Eckchen auf der Terrasse teilen konnten, wo es doch ein paar Sonnenstunden gab. Der Nachbar hatte mehr Sonne und hatte sich tatsächlich ein Hochbeet gebaut.
Hochbeete
Die konventionellen, tiefen Hochbeete finde ich persönlich schwierig, da sie doch recht viel Material brauchen um sie aufzufüllen, was besonders wenn man nur einen kleinen Stadtgarten hat nicht leicht zu organisieren ist. Aber irgendeine Einrahmung lohnt sich. Wenn Sie Problemen haben mit dem Bücken, ist ein etwas höheres Beet schon praktisch, da kann man wenigstens mit einer Pobacke auf den Rand sitzen und muss sich nicht ganz so weit vornüberbeugen.
Vorteile von Hochbeeten
Das Einrahmen, selbst wenn es nur mit einer kleinen Erhöhung von zehn Zentimeter ist, hat mehrere Vorteile. Vom Kultivieren her ist es hilfreich, da die Erde am Ende des Winters etwas schneller abtrocknet und damit schneller aufwärmt, sodass die Aussaat und Pflanzarbeit eher anfangen kann. Solange die Erde noch nass und kalt ist, macht es keinen Sinn. Junge Pflanzen und Sämlinge möchten schnell loslegen, um den Feinden, wie Schnecken einen Schritt voraus zu bleiben. Rein Psychologisch ist diese Einfassung auch wichtig: Statt einer riesigen Fläche, die man vorbereiten und pflegen muss, hat man klar definierte Bereiche, die übersichtlich sind. Da kann man sich problemlos ein Beet pro Tag vornehmen und hat sogar noch Zeit für was anderes übrig. Der dritte Vorteil ist, wenn die Beete schmal genug sind das man von beiden Seiten überall rankommt, ohne das man auf die Erde treten muss, es viel einfacher ist die leichte, krümelige Struktur der Erde zu erhalten, was besonders wichtig ist auf schweren Böden. Unnötige Verdichtung soll unbedingt vermieden werden.
Lieblingsgemüse
Ich brauche keinen Acker voll mit Kartoffeln, Kohl und Zwiebeln. Ich bin schon sehr glücklich selber Pflanzen anzubauen, die am besten ganz frisch gegessen werden sollen oder die es nie, oder nur selten, im Laden gibt. Es soll eher eine Speisekammer für Besonderheiten sein, wo man immer Köstlichkeiten zu essen findet. Dazu gehören besondere Tomaten-, Aubergine- und Chili-Sorten, aber auch Kohlsorten, Kürbis, Bohnen, Salate, Mais und vieles Mehr.
Hübsches Gemüse für Staudenbeete
Auch wenn sie keinen Platz für ein Gemüsebeet haben, ist es möglich sich einiges zwischen Ihre Blumen zu schmuggeln. Es gibt viele attraktive Gemüsepflanzen, die gut als Blattpflanze oder Blühpflanze zwischen andere blühende Stauden passen. Palmkohl und der lila Grünkohl sind beide sehr attraktive Blattpflanzen, die eine gute Struktur und Farbe haben. Mangold mit gelben, roten oder rosa Blattstielen ist auch ein Gemüse, das wie die beide Kohlsorten den Sommer lang das Beet schmücken wird und den Koch beglücken kann. Das frischgrüne, feine Laub vom Fenchel gibt auch einen schönen Kontrast zwischen den größeren Blättern von Mangold.

Statt Clematis oder Duftwicken, können Kletterbohnen ein aus Bambus gemachtes Wigwam oder Klettergerüst hochranken. ‚Blauhilde‘ hat violette Blüten und Bohnen (die leider grün werden beim Kochen) während Borlotti Bohnen sehr dekorative rot und weiß marmorierte Bohnen produzieren. Die Feuerbohne ‚Painted Lady‘ hat hübsche rote und weiße Blüten.
Kürbis braucht Platz, aber kann als unkrautverdrängender Bodendecker benutzt werden , wo die langfristige Vegetationsdecke noch nicht zugewachsen ist.
Wo möglich empfehle ich Ihnen, nicht einzelne Pflanzen zwischen die vorhandene Vegetation zu setzen, aber kleine Flächen frei zu machen wo es leichter ist zu arbeiten, und wo die Jungpflanzen ein wenig mehr Platz und Licht bekommen werden.
Gemüse auf den Balkon
Für den Balkon und Terrassengärtner gibt es auch mehrere Möglichkeiten. Es gibt eine Reihe kleinere Gemüsesorten die sich gut zur Kultur in Kübel eignen. Benutzen sie wo möglich größere, tiefere Töpfe, in denen die Pflanzen reichlich Platz haben ein gesundes Wurzelwerk zu entwickeln. Obwohl man auch im Kübel Gemüsepflanzen wie Radieschen oder die kleine runde Möhre ‚Pariser Markt‘ anbauen kann, wenn sie einmal geerntet sind, ist nichts mehr da. Daher bin ich eher für Gemüse was über ein langen Zeitraum erntbar ist, wie Buschbohnen ‚Golden Teepee‘ und ‚Purple Teepee‘, Mangold (nur die äußeren Blattstiele abreißen) Pflücksalat, Chilis, Auberginen und Ampeltomaten.
Jetzt ist die Zeit anzufangen. Die ersten Aussaaten können schon ins Freie gepflanzt werden, Jungpflanzen von Tomaten und Zucchini und Co. sollten jetzt auf der Fensterbank oder im Gewächshaus gezogen werden. Wenn Sie gerne eine große Vielfalt haben möchten, lohnt es sich nicht viele Saattütchen zu kaufen, um nur eine Pflanze von jeder zu haben, kaufen Sie sich die Jungpflanzen. Schauen Sie in unserem Kräuterhaus vorbei, es ist voll mit jungem, köstlichem Bio-Gemüse und Kräuterpflanzen, vieles aus eigener Produktion.
Bon Appetit!
Isabelle Van Groeningen
12. April 2024