Halbsträucher für trockne Standorte

Halbsträucher für trockne Standorte

Halbsträucher für trockne Standorte

Nach diesem komischen Winter, in dem viele Regionen recht viel Regen und / oder viel Schnee hatten, hat das Grundwasser endlich wieder einen normalen Pegel erreicht. Zumindest sieht es in den meisten Teilen Deutschlands befriedigend aus. Es ist beruhigend, dass wir besonders in Bezug auf unsere Bäume, endlich wieder kurz aufatmen können. Mit dem Wissen, dass sie für den Saisonstart dieses Jahr keinen Stress haben werden, wenigstens wenn sie nicht gerade vom Frost erwischt wurden. Trotz dieser kurzen Atempause dürfen wir nicht vergessen, dass die Sommer mit hohen Temperaturen und unzureichenden Niederschlägen nicht weg sind und wir uns beim Gärtnern darauf einstellen müssen. 

Es gibt eine Menge Pflanzen, die in der Regel gut gerüstet sind, um längere Perioden von Trockenheit zu überstehen, auch wenn sie weniger winterhart sind, als die meisten Stauden. Ich rede von Halbsträuchern. Pflanzen die eine holzige Struktur haben, wie alle Sträucher, aber kompakt bleiben. Viele davon sind Ihnen vertraut, wie Lavendel und Küchensalbei. Pflanzen die vertraut sind mit einem heißen mediterranen Klima, die ihre Blätter so adaptiert haben, dass sie nicht zu viel Wasser durch Transpiration verlieren. 

In Südeuropa ist die Vegetation so entwickelt, dass viele Pflanzen über längeren Zeitraum ohne Wasser klarkommen.  Einige, wie Zwiebeln, ziehen sich in die Erde zurück. Schwertlilien legen einfach nach der Blüte eine Pause ein und warten die regenreicheren Herbstmonate ab, um sich aufzufrischen und wieder neue Blätter zu bilden. Einige Gehölze werfen einfach ihr Laub am Anfang des Sommers ab und machen eine regelrechte Pause. Sie treiben dann erst irgendwann im Herbst wieder aus, um den Winter hindurch das intensivere Sonnenlicht und den Regen zu genießen. Was wir nicht vergessen dürfen ist, dass diese Länder im Winter längere Tage haben. Das können schon ein oder zwei Stunden Tageslicht pro Tag mehr sein im Vergleich mit Nord-Deutschland. 

 

Pepinière Filippi

Wenn Sie nächstes Mal in Süd-Frankreich sind, sollen Sie die Gärtnerei von Clara und Olivier 

Filippi „Jardins Secs“ besuchen, zwischen Béziers und Montpellier. Am Rand der Méditerranée, überblickt man beim Besuch die lokalen Austernzüchter. Olivier Filippi hat sich auf Pflanzen aus der weiteren Region spezialisiert, auf alles was mit keinem oder kaum Wasser zurechtkommt. Ich gebe zu, er hat viele Pflanzen die mir (noch) unbekannt sind. Vieles wird keine Chance in den kalten Nord-Europäische Wintern haben, aber nicht alles. Was ich in den letzten Jahren beobachtet habe ist, dass viele von diesen „nicht ganz winterharten“ Pflanzen, wesentlich mehr Kälte aushalten können, solange sie im Winter keine zu nassen Füße haben. Unter unserer Fichte, neben dem Café, haben wir über die Jahre mit mehreren delikaten Pflanzen experimentiert und festgestellt, dass vieles unverletzt durch den Winter kam, wenn sie bei allen anderen im Garten eingegangen waren. Auch Rosemarin hat sich über viele Jahre makellos weiterentwickelt, mit ein wenig Schutz über dem Kopf von der Fichte und schön trocknen Füßen im Wurzelbereich des Baumes. Die Krone fing hoch genug an, dass genügend Sonnenlicht von der Seite ankam. 

Beth Chattos Kiesgarten

Kies hat in Deutschland einen schlechten Ruf bekommen, weil das Material einfach zu oft von faulem Gärtner oder Gartenbesitzer missbraucht wurde. Nur Kies ist natürlich keine Lösung, aber es gibt viele Pflanzen, die großartig aussehen im Kies und sich dort sehr wohl fühlen. In England wird er oft benutzt, um feuchtigkeitsempfindliche Pflanzen trocken zu halten. Der Kies verhindert, dass nasse Erde auf dem Stamm und den unteren Blättern landet, was dann verhindern würde, dass die Pflanze nach Regen schnell abtrocknet. Beth Chatto war Pionierin in diesem Feld und kreierte einen großen Kiesgarten, gefüllt mit lauter wärme- und trockenliebenden Stauden und Gehölzen. 

Wenn diese Südländer in unsere Gärten landen, verhalten sie sich meist etwas anders, als bei sich im Süden. Die Böden bieten in der Regel wesentlich mehr Feuchtigkeit als gewöhnt, oft auch mehr Nährstoffe. Darauf reagieren sie und wachsen schneller, sie produzieren weichere, längere neue Triebe, die weniger stabil sind, als normalerweise. Die meisten Lavendelbesitzer wurden schon mal damit konfrontiert, dass der ein oder andere Lavendel den Spagat gemacht hat, weil das Holz nicht kräftig genug war, um stabil aufrecht zu bleiben. Wind oder Schnee können solche Pflanzen plattlegen.

Kräftig schneiden

Daher ist es so wichtig keine Angst beim Schneiden zu haben und sie tatsächlich zweimal im Jahr zu schneiden. Am besten, und am schnellsten, mit einer Heckenschere. Einmal im Sommer nach der Blüte die verblühten Stiele und Spitzen der neuen Triebe zurückschneiden, dann im Frühjahr nochmal härter reinhauen! Damit werden die Pflanzen ein eng-verzweigtes Gerüst aufbauen, was wesentlich standfester sein wird. Und wenn es dann doch nochmal passiert, einfach kräftig zurückschneiden. Sie haben nichts zu verlieren: wenn die Pflanze doch stirbt, ist es kein Verlust, weil sie nicht mehr schön war, aber in aller Wahrscheinlichkeit wird sie kräftig wieder austreiben. 

 

Violetter Schöterich

Von allen Goldlackverwandten, die im Frühjahr immer die Saison in Schwung bringen, ist diese Sorte bei Weitem die beste und zuverlässigste: Erysimum ‚Bowles Mauve‘. Über dunkelgrauen Blättern kommen die schlanken Blütenstiele, die endlos violette Blüten produzieren. Ich habe schon öfter vor dieser Pflanze gestanden, denkend, ich möchte sie mal zurückschneiden, aber wann? Sie kann pausenlos von einem Jahr durch bis ins nächste Jahr weiterblühen, die Blütenstiele werden nur länger und länger. 

Färbekamille

Es gibt mehrere Färbekamille-Sorten, aber bei der hellen Färbekamille war es der Sortennamen, der es mir angetan hat: Anthemis tinctoria ‚Sauce Hollandaise‘. So eine Pflanze muss man einfach lieben, besonders jetzt in der Spargelzeit! Sie hat tatsächlich Blüten wie eine Margerite, in cremiger Hollandaisefarbe. Wenn sie erst aufblüht hat sie ein etwas dunkleres Gelb, beim Verblühen sind die Blütenblätter eher cremefarbig mit typisch gelber Mitte. Wo die beide Heiligenkräuter in Hochsommer blühen, fängt diese schon im Frühsommer an und blüht bis in den September hinein. Es lohnt sich, sich ein wenig Zeit zu nehmen und die verblühten Stiele zu entfernen. Damit blüht sie monatelang ungestört weiter und sieht großartig aus. 

Heiligenkraut

Das graue Heiligenkraut Santolina chamaecyparissus hat silbergraues, fein gezacktes Laub, und blüht im Sommer mit gelben, knopfartigen Blüten. Ähnlich ist Santolina rosmarinifolia ssp. rosmarinifolia, das Olivenkraut oder Grünes Heiligenkraut aber ist wesentlich grüner in der Farbe und scheint in unserem Klima etwas robuster zu sein. Das Laub hat ein helles Grün mit blassgelben, kleinen Knöpfen. Das Laub von beide Sorten ist, wie bei vielen dieser Pflanzen, stark parfümiert. Das Olivenkraut hat ein wenig den Geschmack von Oliven und wird dementsprechend in der Küche verwendet. Sie wachsen circa einen halben Meter hoch und lassen sich sehr gut in Form schneiden. Auch uralte Exemplare, die völlig verholzt sind und auseinandergefallen sind, können im Frühling radikal zurückgeschnitten werden. Sie werden sofort problemlos wieder loslegen, mit ganz vielen neuen Trieben. 

Blauraute

Für den Spätsommer gibt es Perovskia atriplicifolia ‚Blue Spire‘. Dieser Halbstrauch wächst aufwärts, statt eine kugelige Form zu bilden. Die Stämme sind wie mit weißem Filz bekleidet, die Knospen samtig lila, das hübsche Blatt graugrün. Auch diese Pflanze sieht besser aus, wenn man sie spätestens im Frühjahr hart zurückschneidet.

Halbstrauchiger Garten-Wermut

Diese sehr silberige, filigrane Pflanze ist wirklich nur eine Blattpflanze. Wie bei viele Artemisias sind die Blüten sehr unbedeutsam. Artemisia arborescens ‚Powis Castle‘ ist eine gute Pflanze für den Rand von Bepflanzungen, besonders wo viele kühle Farben eingesetzt werden, wie Weiß, Rosa oder Blau-Violett. Sie steht am Rand unseres Silberlichtbeets, wo sie die ganze Saison einen klaren Farbakzent setzt. 

Diese kleine Selektion aus einer breiten Palette von interessanten Pflanzen wird Ihnen vielleicht Inspiration geben einen müden Bereich aufzufrischen und langfristig eine Bepflanzung zu schaffen, die leichter zu pflegen ist und wesentlich weniger Wasser verbrauchen wird, als das was Sie bis jetzt hatten. 

 

Isabelle Van Groeningen

26. April 2024

Zurück zum Blog