Pfingstrosen

Pfingstrosen

Staudenpfingstrosen


Für mich ist der Mai ein Synonym für Pfingstrosen. Sie begleiten mich seit meiner Kindheit. Ursprünglich hatten wir die gefüllte Form von der Bauernpfingstrose, die früher blühen als die späteren Lactiflora hybriden. Die aus Europa stammende, einfache, rosarote Bauernpfingstrose, Paeonia officinalis, ziert unsere Gärten schon seit vielen Jahrhunderten. Es gibt zwei Formen von großem Gartenwert - P. officinalis ‚Flore Pleno‘ und ‚Alba Plena‘, die rot- und die weißblühende, beide mit gefüllten Blüten.
 
Viele Gärtner mögen besonders die zahlreichen Gartenhybriden, wovon viele auf Paeonia lactiflora zurückzuführen sind. Diese fangen etwas später an zu blühen als die Bauernpfingstrosen und die Wildsorten. Es gibt so viele, dass die Auswahl nicht leicht ist. Man muss sich einfach verführen lassen. Viele Sorten haben ein köstliches Parfüm, viele Sorten eignen sich gut zum Schneiden für die Vase. Es gibt frühere und späterblühende Sorten, damit Sie die Saison verlängern können.

Gefüllt, halbgefüllt oder einfach? Tja, das ist eine Geschmackssache. Was Ihnen vielleicht bei der Entscheidung hilft ist, dass die gefüllten Sorten weniger interessant sind, für Insekten dafür aber meist länger blühen. Die meisten müssen allerdings ein wenig unterstützt werden, damit die schweren Blüten nicht bei dem ersten Regen zu Boden sinken.
 
Bei den weißen, gefüllten, duftenden Schnittblumen gibt es ‚Duchesse de Nemours‘ ein eher frühblühender, cremeweißer Klassiker von 1856. Ähnlich ist ‚Kelways Glorious‘ von 1909, deren äußere Blütenblätter einen Hauch von Rosa haben. ‚White Towers‘ ist strahlend weiß und spätblühend.
 
Gefüllte Rosasorten gibt es reichlich. Sehr bekannt ist ‚Sarah Bernhardt‘ von 1906. Farblich interessant sind ‚Nick Shaylor‘ der wie ‚Lady Alexandra Duff‘ (1902) verblassen beim Verblühen. ‚Lady Alexandra Duff‘ ist nicht so eng gefüllt. Eine der letzten rosagefüllten die blüht ist 'Monsieur Jules Elie'.
 
Von den rotgefüllten Sorten gibt es auch mehrere begehrenswerte. Einige Klassiker sind ‚Inspecteur Lavergne‘, gut duftend mit langen Stielen, reich blühend und spät, ähnlich wie die noch dunklere ‚Karl Rosenfeld‘ (1908).
 
Einfach blühende Sorten haben großen Charme. Sie wirken nicht so prunkvoll, wie die Gefüllten. Eine nur halb ungefüllte ist die bekannte frischrosa blühende ‚Bowl of Beauty‘ deren Staubblätter sich in cremeweiße schmale Blütenblätter verwandelt haben. Komplett einfach ist ‚Soft Salmon Saucer‘. Deren frühe, delikate, einfache, zartrosa Blüte wird zum Blattrand blasser. 'Claire de Lune' ist ein angenehmes Gelb das zu Creme verblüht, wogegen die strahlend weiße Blüte von ‚Jan Van Leeuwen‘ über dem dunkelgrünen Laub fast aussehen wie Spiegeleier.

‚Late Windflower‘ ist eine schlichte, einfache weißblühende Sorte, die mehr Wildstauden-Charakter hat als die anderen, geerbt hat sie diesen von ihren Eltern P. emodi (die weiße Kashmir-Pfingstrose) und P. veitchii (die leicht knickende, rosa Veitch’s Pfingstrose). Sie würde besser in eine wiesenartige Bepflanzung passen, als die anderen.

Wildformen
 

Wilden Pfingstrosen begegnet man nicht so oft, außer der Bauernpfingstrose P. officinalis.
Die Netzblatt-Pfingstrose hat ungewöhnlich fein geschnittenes Laub. Besonders im Frühjahr wirkt es sehr filigran. Diese Pflanze bleibt kleiner als alle anderen Sorten, hat auch relativ kleine Blüten, ist aber besonders trockenheitsverträglich. Es ist auch eine der wenige Sorten, die sich unterirdisch, dank Rhizomen, langsam vermehren. Meine Lieblings-Pfingstrose ist die Kaukasus-Pfingstrose, Paeonia mlokosewitschii. Schon ab dem ersten Moment, in dem sie ihre Nase aus der Erde schiebt, merkt man, hier kommt was Besonderes. Dicke, rote Knospen entfalten sich und auf roten Blattstielen entwickeln sich rote Blätter. Mit der Zeit wird die Oberseite graugrün, aber behält immer etwas leicht rötliches am Blattrand, womit ein delikater Akzent gesetzt wird. Die Blütenknospen öffnen sich zu einfachen schalenförmigen Blüten, in einem sehr zarten Gelb, mit goldenen Staubblättern. Die Erscheinung ist sehr schlicht aber edel. Wie bei einer Königin ist ihr öffentlicher Auftritt nur kurz, aber bemerkenswert.

Viele Pfingstrosen werden im Herbst sehr dekorative Samenkapseln und Samen produzieren. Die dicken, länglichen Früchte öffnen sich und zeigen ihr rosarotes Fruchtfleisch und schwarze oder dunkelblaue Früchte.  Einige werden auch schöne Herbstfärbungen entwickeln.

Pfingstrosen sind langlebende, standfeste Pflanzen, die unkompliziert und meist gesund sind.Generell sind sie anspruchslos, kommen erstaunlich gut mit Trockenheit zurecht und können Jahrzehnte am gleichen Standort stehen bleiben. Sie bevorzugen einen sonnigen Standort und nährstoffreichen Boden. Auch auf magerem Sandboden lohnt es sich, die Pflanzen mit extra Kompost zu versorgen und gönnen Sie ihren Pflanzen im Herbst eine Kompostschicht oder gelagerten Mist.
Falls Sie welche haben, die nicht (mehr) blühen, kann es zwei Gründen geben. Wenn sie schon seit vielen Jahren am gleichen Standort stehen, ist es vielleicht mal Zeit sie aufzufrischen. Am besten werden sie im Herbst ausgegraben und geteilt. Dann sollen sie wieder eingepflanzt werden, mit extra Kompost und, wo möglich, Mist. Es ist wichtig darauf zu achten, dass die Krone auf der gleichen Tiefe sitzt, wie vorher.
Falls Sie kleine Blütenknospen sehen, die sich nicht entwickeln, handelt es sich um ein Pilzproblem, das im Boden vorhanden ist. Sie können verhindern, dass die Blütenknospen am Anfang der Saison infiziert werden, indem Sie einen Kragen Kies oder Splitt an der Basis der Pflanze platzieren. Damit verhindern Sie, dass sporen-infizierte Erde bei Regen auf die Blätter hochspritzt.
 
Lassen Sie sich verführen von diesen klassischen Gartenpflanzen, finden Sie ein schönes Plätzchen und genießen Sie viele Jahren lang die herrlichen Blüten!
 

 
Isabelle Van Groeningen

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