Pfirsich-Kräuselkrankheit

Pfirsich-Kräuselkrankheit

Pfirsich-Kräuselkrankheit – Eine Herausforderung für den Obstgarten

An dem Thema Pflanzenkrankheiten kommen selbst ambitionierte GärtnerInnen nur schwer vorbei. Besonders frustrierend ist es, wenn die seltenen und kostbaren Pflanzenlieblinge befallen werden. Nach anfänglichem Frust mag der gärtnerische Ehrgeiz vielleicht noch entfacht werden, doch schon bald kann dieser blitzschnell in Resignation umschlagen.

Viele KundInnen haben es in zahlreichen Beratungsgesprächen mit mir bereits erlebt. Ein Beispiel soll das übliche Problem verdeutlichen:

KundInnen: „Wir wollen ein neues Obstgehölz für unseren Garten / Balkon / Kleingartenanlage / o.ä. An einem Apfel haben wir kein Interesse, der wird zu groß / den haben wir schon / der ist uns zu langweilig. Wir hatten an etwas ganz Besonderes gedacht. Wie wäre es denn mit einem Pfirsich?

Auf solche Anfragen kann ich meist lediglich mit einem fast resignierten Seufzer reagieren. Es folgen reichlich Gründe, warum ein Pfirsich im konkreten Falle nicht geeignet ist. Dafür gibt es viele Gründe: nicht der richtige Standort, der Pflegeaufwand ist zu hoch, der Schnitt ist nur etwas für Fortgeschrittene und nicht zuletzt besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Schädlinge und Pilzerkrankungen. Womit wir wieder beim Thema wären: Pflanzenkrankheiten.

Eine bei Pfirsichbäumen besonders weit verbreitete Krankheit ist die Pfirsich-Kräuselkrankheit. Sie wird verursacht durch den Pilz Taphrina deformans, ein optisch dramatisches und gefürchtetes Krankheitsbild bei Pfirsichbäumen. Bereits im Frühjahr werden die Pfirsichblätter von blasigen Verformungen heimgesucht, die eine weißlich-grüne bis rötliche Färbung annehmen. Diese befallenen Blätter vertrocknen schließlich und fallen ab, was nicht nur das ästhetische Erscheinungsbild des Baumes beeinträchtigt, sondern auch erhebliche ökonomische Konsequenzen im Erwerbsobstbau nach sich zieht.

Die Auswirkungen reichen von einem Ertragsausfall bis zur Schwächung des gesamten Baumbestandes. In besonders schweren Fällen führt die Infektion dazu, dass auch die Früchte abgestoßen werden. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, frühzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um den Pilzbefall zu kontrollieren und die Gesundheit des Pfirsichbaums zu erhalten.

Eine relativ effektive aber leider unökologische Lösung gegen die Pfirsich-Kräuselkrankheit ist für das jeweilige Jahr zugelassene Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Difenoconazol (Stand: 2024). Die Anwendung dieser Produkte ist vor der Blüte möglich, jedoch auf maximal drei Behandlungen im Jahr beschränkt. Die empfohlene Dosierung und genaue Anwendung entnehmen Sie bitte der jeweiligen Packungsbeilage. Die erste Behandlung sollte bei Beginn des Knospenschwellens erfolgen, insbesondere bei feuchter und milder Witterung. Es ist erwähnenswert, dass diese Bedingungen in einigen Jahren bereits im Januar vorherrschen können. Zudem ist wichtig zu betonen, dass die frei verkäuflichen Präparate lediglich eine befallsmindernde Wirkung erzielen. Eine regelmäßige Überwachung des Baumbestands und die rechtzeitige Anwendung der fungiziden Maßnahmen sind daher von entscheidender Bedeutung, um die Ausbreitung der Pfirsich-Kräuselkrankheit in der Landwirtschaft zu kontrollieren.

Ich möchte an dieser Stelle klar äußern, dass ich persönlich den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln im Privatgarten meide! Obgleich es im Erwerbsobstbau teilweise notwendig ist, Pflanzenschutzmaßnahmen durchzuführen, um einen wirtschaftlichen Schaden abzuwenden, stellt sich die grundlegende Frage, aus welchen Gründen es überhaupt zu Problemen bei den Pflanzen kommt. In der Landwirtschaft ist vornehmlich die Monokultur eine Hauptursache für auftretende Pflanzenkrankheiten. Im Privatgarten ist es möglich, der Problematik durch den bewussten Einsatz von pilzresistenteren Sorten aus dem Weg zu gehen. Die Auswahl resistenter Sorten trägt maßgeblich dazu bei, das Risiko einer Infektion zu minimieren und die langfristige Gesundheit des Pfirsichbaums zu gewährleisten.

Prunus persica ‘Amsden’: süße Früchte, widerstandfähig und winterhart, hohe Erträge, bienenfreundlich, kräftiger Wuchs

Prunus persica ‘Mayflower’: saftige Früchte, wenig anfällig für Kräuselkrankheit, starkanfällig für Monilia (ein weiterer Schadpilzerreger), hohe und frühe Erträge, mittelstark wachsend

Prunus persica ‘Benedicte’: saftig, süße Früchte, geringe Kräuselanfälligkeit, hoher Ertrag, gut lagerbar und transportfähig, empfehlenswerte Neuheit

Prunus persica ‘Roter Ellerstädter’: sehr saftige, aromatische, langovale Früchte, gering anfällig für Kräuselkrankheit, winterhart, kräftiger Wuchs

Zusätzlich zu den chemischen Bekämpfungsmethoden und der Auswahl resistenter Sorten spielt eine umfassende Pflege des Pfirsichbaums eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Pflanzenkrankheiten im Allgemeinen. Die Basics: ein gesunder Boden (Bodenorganismen!), richtiger Standort, angemessene Bewässerung und regelmäßige organische Düngung fördern die Widerstandsfähigkeit des Baumes gegenüber Krankheiten. Es ist wichtig, Bodenverbesserungsmittel in den Boden einzuarbeiten (Bodenaktivator, Mykorrhiza-Pilze, Kompost), um die Bodenstruktur zu verbessern und ein optimales Wachstumsumfeld zu schaffen. Zu diesem Thema eignet sich die Lektüre des Blogbeitrags vom 30. Oktober 2022 mit dem Titel „Was hat es mit Mykorrhiza auf sich?"

Darüber hinaus sollten abgefallene Blätter und infizierte Pflanzenteile regelmäßig entfernt und über den Hausmüll entsorgt werden, um die Ausbreitung von Krankheitserregern zu minimieren. Dies verhindert, dass sich der Schadpilz überwinternd im Gartenboden ansiedelt und im nächsten Frühjahr erneut ausbreitet. Ein gründliches Entfernen der abgefallenen Blätter um den Baum herum trägt zusätzlich dazu bei, den Krankheitsdruck zu verringern. Das bedeutet nicht, dass alle Blätter jeder Pflanze aus dem heimischen Garten verbannt werden sollten. Grundsätzlich trägt das abgefallene Laub zum natürlichen Stoffkreislauf bei und erhöht die Aktivität der Bodenorganismen. Nur das Laub eines schadpilzempfindlichen Obstgehölzes sollte entfernt werden.

Bei der Wahl des Standorts ist darauf zu achten, dass der Pfirsichbaum ausreichend Sonnenlicht erhält und eine gute Luftzirkulation ermöglicht wird (trotzdem: Standort weitestgehend windgeschützt!). Beide Faktoren tragen dazu bei, dass die Luftfeuchtigkeit um die Blätter herum reduziert wird, was das Wachstum des Pilzes begrenzt. Eine durchdachte Platzierung der Bäume in Bezug auf ihre Nachbarn und Strukturen im Garten kann somit einen weiteren bedeutenden Beitrag zur Vorbeugung gegen die Pflanzenkrankheiten leisten.

Insgesamt erfordert die effektive Vorbeugung der Pfirsich-Kräuselkrankheit eine ganzheitliche Herangehensweise, die präventive Maßnahmen, eine sorgfältige Baumpflege und im schlimmsten Falle eine chemische Bekämpfung beinhaltet. Durch die Kombination dieser Maßnahmen können Hobby-Obstgärtner nicht nur die akuten Symptome der Krankheit lindern, sondern auch langfristig die Widerstandsfähigkeit ihrer Pfirsichbäume stärken.

Der Pfirsich ist nach alledem eine wahre Diva. Wer Herausforderungen im Garten sucht, ist jedoch mit diesem Obstbaum gut beraten und sollte sich nicht entmutigen lassen. Sollten Sie noch nach einer Besonderheit in Ihrem Garten suchen – probieren Sie doch mal einen Kakibaum (Diospyros kaki) aus. An einem geschützten Standort platziert, sind diese Exoten weitgehend resistent gegen Pflanzenkrankheiten und werden nur selten von Schädlingen befallen. Bei der Umsetzung stehen wir Ihnen natürlich jederzeit zur Verfügung und freuen uns über Ihr Pflanzenglück.

Sebastian Keller-Lewis

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