
Unser Cottage-Garten in Coleshill
Im Laufe der Jahre habe ich eine große Sammlung von Bildern angehäuft, die in einem Dateisystem wie eine Bibliothek sortiert sind. Dank meiner Handykamera wächst diese Sammlung ständig weiter. Es kann eine Pflanze sein, ein interessantes Detail in der Pflasterung oder ein paar schöne, frostige Blätter, die meine Aufmerksamkeit erregen. Das Bildarchiv kommt zum Einsatz, wenn ich meine Vorträge vorbereite und meine Blogs schreibe, aber oft werde ich auch von den Gartengestaltern oder unserer Grafikerin um Bilder gebeten, um bestimmte Projekte zu illustrieren. Das gibt mir regelmäßig die Gelegenheit, alte Bilder durchzusehen und im Geiste Orte wieder zu besuchen.
Gestern bin ich auf unseren ehemaligen Garten in England gestoßen, und beim Betrachten dieser Bilder wurde ich daran erinnert, wie schön er war. In meiner Erinnerung dominieren oft die Herausforderungen und Problembereiche (wahrscheinlich, weil sie mich damals so sehr beschäftigt haben), daher ist es schön, auch mit den vielen guten Seiten mal wieder konfrontiert zu werden.
Es ist kaum zu glauben, dass es 15 Jahre her ist, dass ich nach Berlin kam und meine friedliche, ländliche Idylle gegen das hektische Stadtleben Berlins eintauschte. Wir lebten 20 Jahre lang in dem kleinen Dorf Coleshill in Oxfordshire. Ursprünglich im ehemaligen Lesesaal der Kirche, einem kleinen Cottage, mit einem winzigen Stückchen Land, das wir in einen Garten verwandelten. Als sich ein paar Jahre später die Gelegenheit ergab, in einen größeren Garten und ein größeres Haus umzuziehen, haben wir sofort zugegriffen.

Coleshill ist ein besonderes Dorf. Einst ein großes Landgut, gehört es heute dem National Trust. Das gesamte Dorf steht unter Denkmalschutz und hat sich seit dem 19. Jahrhundert nur wenig verändert. Das Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert brannte 1952 ab und wurde daraufhin dem Erdboden gleichgemacht, aber alles andere ist noch vollkommen intakt. Es gibt keine Fernsehantennen oder Satellitenschüsseln (es gibt eine zentrale Antenne, die im Wald versteckt ist) und es gibt keine Straßenbeleuchtung. Ein Londoner fragte einmal, wie wir ohne einen Geldautomaten überleben könnten? Der ummauerte Gemüsegarten ist jetzt eine Öko-Gärtnerei. Der Pferdestall wurde zu Werkstätten umgebaut. Mitten im Dorf liegt der Bauernhof, ein Modellbauernhof, der aus vier Höfen besteht, die um eine imposante Scheune herum gebaut sind. Im 19. Jahrhundert war er berühmt als einer der modernsten und am besten geplanten landwirtschaftlichen Betriebe des Landes mit dampfbetriebenen Förderbändern und Straßenbahnen, die die Futterwagen zu den preisgekrönten Schweinen, Schafen, Kühen und Hühnern brachten. Hier, in der alten Schreinerscheune, hatten wir unser Büro. Die Kirche aus dem 12. Jahrhundert schmiegt sich zwischen die etwa fünfzig Cottages aus Cotswold-Stein, die größtenteils in den 1860er Jahren wieder aufgebaut wurden und heute eine Bevölkerung von etwa 160 Einwohnern beherbergen.

Der Gutsbesitzer baute sich nicht nur einen sehr modernen Bauernhof, sondern sorgte auch dafür, dass seine Pächter ein anständiges Leben hatten. Alle Annehmlichkeiten wie eine Mühle (vollständig restauriert und für die Öffentlichkeit zugänglich), eine Bäckerei, eine Schule (heute Kindergarten) und die Schmiede waren Teil des Dorfes. Allerdings gab es damals noch keine Kneipe, da er nicht wollte, dass seine Leute tranken. Wer etwas trinken wollte, musste zu Fuß in die nächste Stadt gehen. Heute ist die Schmiede zu einer Gaststätte umgebaut worden.
Jede Person, die auf dem Gut arbeitete, hatte das Recht, in einem soliden Steinhaus zu wohnen, und erhielt einen Garten, der groß genug war, um die Familie zu ernähren. Zu diesem Zweck verfügte jeder Garten auch über einen Schweinestall und aus hygienischen Gründen auch über eine Außentoilette. Entlang der Straße waren die Gärten von einer Buchsbaumhecke und einem Tor in der blauen Gutsfarbe, die für alle Tore des Guts verwendet wurde, um den Besuchern zu zeigen, wie weit das Anwesen reichte, eingefasst.

Obwohl unser Garten weder über eine Außentoilette noch über einen Schweinestall verfügte (leider - ich hätte gerne ein Schwein gehabt!), war unser Haus die Dorfbäckerei, mit einem kleinen Bäckereiladen an der Seite des Hauses. Die Bäckerei selbst war ein zweistöckiges Gebäude. Im Erdgeschoss befand sich der Backofen, darüber der Lagerraum, in dem das Mehl, das von der Mühle heraufgebracht wurde, gelagert und über einen Trichter nach unten befördert werden konnte.
Als wir das Haus pachteten, bestand der Vorgarten aus einem Rasen, einem gemischten Beet an der Seite und einem kleinen Beet mit altmodischen Rosen vor dem Wohnzimmerfenster. Dahinter, auf dem langen, schmalen Stück Land, das durch einen Drahtzaun von den Nachbarn getrennt war, verlief ein schmaler Grasweg über die gesamte Länge des Gartens, mit kahlem Boden links und rechts davon, mit Ausnahme von drei Apfelbäumen, Rhabarber, Erdbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren und roten und schwarzen Johannisbeeren. Die Vormieter bewirtschafteten die Gärtnerei bis zu ihrer Pensionierung und setzten den Gemüseanbau auch nach ihrer Pensionierung in diesem Haus fort.
Farbrabatten
Als unser erster Frühling nahte, erinnere ich mich an das Gefühl der Verzweiflung, als ich die riesige Fläche mit dunkler, schwerer Erde betrachtete, die darauf wartete, gejätet und für die Aussaat und Anpflanzung von Gemüse und Kräutern im Frühjahr vorbereitet zu werden, und mich fragte, wie zwei Menschen so viel Gemüse essen können. Schnell war der Entschluss gefasst, in der Nähe des Hauses einen Blumengarten anzulegen mit farblich abgestimmt Rabatten. Der Boden wurde geebnet, kleine Eiben wurden gepflanzt, um eine Hecke zu schaffen, und ein neuer, gewundener Weg wurde angelegt. Anstelle eines geraden Weges mit einer Einfassung links und rechts entschieden wir uns für einen gewundenen Weg, weil dadurch der Weg durch die Einfassungen länger wurde und drei tiefere Pflanzflächen entstanden, die mir mehr Pflanztiefe boten, um größere Rosen und voluminöse Stauden zu integrieren. Da ich ein Farbfetischist bin, habe ich ein wechselndes Farbschema ausgearbeitet. Ich pflanzte die dunkleren Rot- und Violetttöne in den Vordergrund, der dem Haus am nächsten ist. In der Ferne wurden die Farben heller und ic verwendete Weiß und Blassrosa am Ende des Gartens, wo diese leuchtenden Farben einen guten Kontrast zur dunkelgrünen Eibenhecke bilden würden. Für jede Jahreszeit habe ich eine Pflanze gepflanzt, die in den verschiedenen Farbbereichen wiederkehrt. Nützliche Pflanzen sind Mohn, Akeleien, Schwertlilien, Rosen und natürlich Dahlien für später.

Küchengarten
Eine kleine Rasenfläche, gesäumt von Obststräuchern und unseren drei Apfelbäumen, bot Platz für den mobilen Hühnerstall. Tagsüber streiften unsere drei Damen durch den Garten und kümmerten sich unter dem wachsamen Auge von Henry, dem Hahn, um kleine einjährige Unkräuter und eine Menge Schädlinge. Da Bantamhühner flauschige Füße haben, sind sie nicht nur besonders hübsch, sondern auch ausgezeichnete Gärtner. Sie kratzen leicht an der Oberfläche des Bodens, graben aber nie tief, da sie sich nicht gerne die Füße schmutzig machen. Ihre Eierproduktion ist vielleicht nicht die zuverlässigste, aber ihr Unterhaltungswert ist enorm.
Eine weitere Hecke wurde gepflanzt, um das Gemüsebeet einzugrenzen, und es folgten fünf große quadratische Kräuter- und Gemüsebeete mit einem kleinen Frühbeet, das sich perfekt für die Anzucht von Frühblühern und die Überwinterung leicht empfindlicher Pflanzen eignet.

Der Cottage-Garten
Da das Haus früher die Bäckerei war, führte der Zugangsweg direkt zur ehemaligen Ladentür und um den Laden herum zur Bäckerei auf der Rückseite. Dieser Weg wurde teilweise asphaltiert und betoniert. Hart und funktional. Auf der rechten Seite befand sich ein leicht erhöhtes gemischtes Beet. Auf der linken Seite der traurige, moosbewachsene Rasen. Es dauerte nicht lange, bis man beschloss, diesen Rasen zu beseitigen. Es war eine vergeudete Fläche, die das ganze Jahr über viel mehr Freude bereiten könnte. Da der Rasen größtenteils aus Moos und ein paar Gräsern bestand, gruben wir die Grasnarbe mit einem Spaten tief in den Boden, um den fruchtbarsten Teil des Bodens zu erhalten, und ließen ihn einfach dort verbleiben, wo der neue Weg angelegt werden sollte. Diesen bedeckten wir mit einem Vlies zur Unkrautbekämpfung und legten Schieferbruchstücke darauf. Die meisten Häuser im Dorf waren mit Schiefer eingedeckt, und immer wenn Reparaturen durchgeführt wurden, gaben uns die Leute ihre Schieferbruchstücke für unsere Wege.

Wir behielten einige der vorhandenen Sträucher bei, wie eine der Rosen, einen Buddleja, winterblühenden Jasmin und die früh blühende immergrüne Berberis darwinii. Wir fügten die wunderbar duftende, winterblühende Heckenkirsche, einige Fleisch- oder Schleimbeeren für den Sommerduft, Pfeiffenstrauch für mehr Duft, Perrückenstrauch für Farbe und verschiedene Baumpfingstrosen und Rosen hinzu. Für ein wenig Höhe, Blütenpracht und Beeren pflanzten wir eine rosa-fruchtende Kaschmir-Eberäsche, Sorbus cashmiriana und meinen Lieblings-Zierapfel Malus transitoria.
Ein ausgeklügeltes Farbschema wäre im Vorgarten unangebracht gewesen, wo ich den traditionellen Cottage-Garten-Charakter mit einem bunten Durcheinander von Pflanzen bewahren wollte, darunter Klassiker wie Primeln, Nelken, Pfingstrosen, Schwertlilien, Stockrosen, Sedum und Astern. Ein großes Zugeständnis an die moderne Zeit war das Hinzufügen von Gräsern für die Herbst- und Winterstruktur.

Prärie-Garten
Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Garten weiter. Wir änderten den Verlauf des Weges am Ende des Gartens, so dass er sich über die gesamte Breite des Grundstücks erstreckt und am Ende zu einer kleinen Terrasse mit Blick auf das Themse-Tal und eine Pferdekoppel führt. Die Gin & Tonic-Terrasse war der perfekte Ort, um abends inmitten von hohen Stauden und Gräsern zu sitzen und den Sonnenuntergang zu beobachten. Es war auch der beste Platz, um spät in der Nacht zu sitzen, weit weg von den Nachbarhäusern, um die Nachtruhe unserer Nachbarn nicht zu sehr durch Geplauder und Gelächter zu stören. Für Mahlzeiten war er zu weit von der Küche entfernt, aber für ein Tablett mit Getränken war er ideal. Der hintere Teil des Gartens wurde prärieartig mit einer Mischung aus Stauden und Gräsern bepflanzt, die sich zu einem sehr pflegeleichten System entwickelte. Zu Beginn des Frühjahrs schnitten wir die alten Stängel ab, jäteten ein wenig Unkraut und nahmen vielleicht ein paar kleine Änderungen an der Bepflanzung vor, danach wurde der Garten für den Rest des Jahres nicht mehr angerührt.
Sitzgelegenheiten
Neben der G&T-Terrasse gab es zahlreiche Sitzgelegenheiten im Garten, von denen einige mehr als andere und einige nur zu einer bestimmten Jahreszeit genutzt wurden. An der Vorderseite, in der Veranda, gab es gerade genug Platz für einen kleinen Tisch und zwei Stühle. Ein idealer, geschützter Ort, um an den ersten sonnigen Morgen im März-April zu frühstücken und die ersten Frühlingsblumen zu bewundern. Auf der Terrasse hinter dem Haus, in der Nähe der Küche, haben wir dicke Eichenbalken angebracht und einen großen, einfachen Picknicktisch aufgestellt, der das ganze Jahr über draußen steht. In den Sommermonaten würde ein großer Sonnenschirm Schatten spenden und vor Regen schützen, so dass er an jedem warmen Tag und bei jedem Wetter genutzt werden kann. Es ist wichtig, einen Tisch zu haben, der im Winter/Frühling draußen stehen bleibt, damit man das kostbare erste Frühstück oder Mittagessen im Garten am ersten schönen Frühlingstag genießen kann, ohne in Schuppen, Garage oder Dachboden nach Tisch, Stühlen und Kissen suchen zu müssen.

Gegenüber dem Küchenfenster, eingebettet unter der Hecke, stand unsere bequeme Lieblingsbank. Der perfekte Platz, um einfach nur eine Tasse Tee zu trinken, die Post zu lesen oder zu telefonieren. Oben in den bunten Beeten waren ein kleiner Tisch und zwei Stühle ein Blickfang, wo ich gelegentlich mit einem Tee- oder Frühstückstablett saß und den Blick über die Beete in die Landschaft genoss. Im Gemüsegarten stand ein Gartenstuhl als aufmunternde Einladung, selten genutzt, aber vom Geist geschätzt, weil er dachte, er könne jederzeit Platz nehmen. Der lästige Strommast wurde genutzt, um im Hängemattenzimmer eine Hängematte aufzuhängen, die wir mit der Zeit von der Rose 'Rambling Rector' überwuchern ließen. Unsere Besucher verbrachten dort mehr Zeit als wir selbst.
Die nachhaltige Cottage-Garden-Tradition
Es ist befriedigend zu sehen, wie wir fast unbewusst in die Tradition des Cottage Gardening hineingerutscht sind. Nicht nur die Mischung aus Nahrungs- und Blühpflanzen, die wir angebaut haben, und die Möglichkeit, sich von der eigenen Parzelle zu ernähren. Es gibt auch die Tradition des Austauschs von Setzlingen und Pflanzen sowie der regen Ernte von Obst und Gemüse mit den Nachbarn und natürlich die Verwendung von Materialien aus der Region. Die kleine Mauer und die Stufen, die wir beim Anlegen der farbigen Beete bauen mussten, stammen alle aus dem Garten. Der Entwässerungsgraben, den wir unter der ersten Eibenhecke angelegt haben, wurde mit Steinen aufgefüllt, die wir aus dem angrenzenden Gelände geharkt hatten, als wir es planierten. Zwei Haseln wurden gepflanzt, nicht nur, als Strukturpflanzen und um willkommenen Schatten zu spenden, sondern auch, um einen jährlichen Vorrat an fein verzweigten Stützen zum Stabilisieren von Blumen und Gemüse und stärkeren Stäben für Wigwams und Bögen für Kletterbohnen und Duftwicken zu erhalten. Die Wege waren entweder aus Gras oder mit Schiefer von den Dächern der Nachbarhäuser bedeckt. Wir stellten unseren eigenen Kompost für die Gemüsebeete her, die Einstreu aus dem Hühnerstall kam auf den Komposthaufen, und die Pferdeäpfel von der angrenzenden Wiese wurden regelmäßig gesammelt, um den Kompost zu verbessern und die Rosen zu füttern. Diese Philosophie sollten wir alle so weit wie möglich verinnerlichen, wenn wir unseren Beitrag zur Schaffung einer grüneren Umwelt leisten wollen.

Oft werde ich gefragt, ob ich das nicht vermisse. Natürlich tue ich das. Ich vermisse nicht die Ecken, in denen sich unsere Quecke breit gemacht hat, oder wo die Wieseraute sich unkontrolliert ausgesät hat, oder wo die Rose 'Charles the Mills' das Beet überwuchert hat. Aber ich vermisse schon diesen schönen Garten, die herrliche Landschaft, die ihn umgab, und die lieben Menschen, die wir zurückgelassen haben. Aber ich habe einen Kopf voller wunderbarer Erinnerungen, die mit diesem Garten verbunden sind, und interessanterweise haben viele davon mit den vielen großen und kleinen Festen zu tun, die wir in diesem Garten gefeiert haben. Lassen Sie sich dies also eine Lehre sein: Nutzen Sie Ihren Garten, genießen Sie ihn. Essen Sie Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Laden Sie Freunde und Familie zu Getränken, zum Nachmittagstee, zu Geburtstagsfeiern und zum Ostereiersuchen ein. Er ist nicht nur da, um bearbeitet zu werden, sondern auch, um Ihnen Freude zu bereiten.
Isabelle Van Groeningen
18. Februar 2023