Zum Vernaschen

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Zum Vernaschen

Angeblich vertilgen wir in Deutschland 22 Kg Tomaten pro Jahr, pro Person und noch wesentlich mehr Kartoffeln. Diese sind jedoch in den wenigsten Fällen aus dem eigenen Garten. Man könnte auch sagen, sie sind nicht auf dem eigenen Mist gewachsen. Während ich Sie nicht anhalten möchte Ihre Kartoffeln oder gar 22Kg Tomaten zu ziehen, so möchte ich doch einen Anstoß geben ein paar alte Werte dieser Pflanzen wieder in die Erinnerung zu rufen, z.B. den Geschmack. Denn leider haben die meisten der Tomaten, die wir heute in Supermärkten kaufen können, zwar die Qualität weite Reisen gut überstehen zu können und sich auch lange im Kühlschrank zu halten (wobei man Tomaten nie im Kühlschrank aufbewahren sollte!), aber das Wichtigste, der Geschmack ist im Veredlungsprozess verloren gegangen. 

Tomaten sind daher ein gutes Beispiel von Naschpflanzen, die wir ohne viel Aufwand in unserem eigenen Garten haben können. Auf gar keinen Fall sollten wir hier diese geschmacklosen Neuzüchtungen anpflanzen, die wir auch im Supermarkt kaufen können, sondern hier lege ich Ihnen ans Herz, saftige, schöne, geschmackvolle, alte Sorten zu pflanzen. Es gibt nämlich 2500 Sorten von Tomaten und die EU hat davon nur noch etwa 20 Sorten auf dem Markt. Privat dürfen wir aber so traumhafte Sorten noch haben wie ‚Eva’s Purple Ball‘ (dunkelrosa Früchte mit vorzüglichem Geschmack), ‚Berner Rosen‘ (große, rosarote süßaromatische Früchte, reichtragende, schweizerische Sorte), ‚Purple Russian‘ (schwarzrot, flaschenförmig, süß-aromatisch, saftig, ertragreich) und noch einige mehr. Es ist ein Traum diese ganzen Sorten einmal über die Jahre aus zu probieren, nur das einem danach die gekauften Tomaten leider gar nicht mehr schmecken. 

Kaufen kann man Tomatenjungpflanzen schon seit Wochen, die richtige Zeit dafür sie zu pflanzen ist jetzt.  Erst gestern hatten wir einen Kunden, der gar nicht ahnte, was er mit der Frage: haben sie Tomatenpflanzen, auslöste. Die Rückfrage unserer Gärtnerin stellte den Kunden vor eine Herausforderung die Ihn vielleicht wünschen ließ, diese Frage nie gestellt zu haben. Hätten Sie gerne runde, ovale, flache, kleine, große, lange, kurze Früchte, sollen sie gelb, rosa, rot, lila, schwarz oder grün oder gar gestreift sein? Wie viel Platz haben sie für die Pflanze? Soll sie auf den Balkon oder in den Garten?  Auf dem Balkon würden wir Ihnen die Ampeltomate empfehlen, die auch, wie der Name schon sagt, in einer Ampel oder im Balkonkasten gepflanzt werden kann und dann einen hängenden Wuchs entwickelt.  Es gibt das grüne Zebra, die Schwarze Krim, Berner Rosen die Gestreifte Deutsche und, und, und... Sie ahnen, spätesten jetzt wünschte sich der Mann die Frage nie gestellt zu haben. Im Laufe der Frühlingssaison haben wir über 100 unterschiedliche Sorten, wovon fast die Hälfte aus eigener Produktion kommt. Leider nicht alle zur gleichen Zeit, dafür fehlt uns der Platz. Aber für „Tomaten-Fanaten“ lohnt es sich immer wieder mal vorbei zu schauen. 

Pflanzen und pflegen

Über die Jahre haben wir viele Sorten auch selbst in unseren Gewächshäusern ausprobiert und vor allem die folgenden Pflegeanweisungen für richtig befunden. Sie können Tomaten in fast jeden Boden pflanzen, wobei sie keinen Kalkboden mögen, aber das heißt nicht, dass sie in Torf müssen. Kompost tut es. Viel wichtiger ist, das die Pflanzen gedüngt und vor allem gewässert werden. Der Wasserhaushalt ist verantwortlich für die Qualität der Frucht. Regelmäßig gut wässern ist wichtig für diese recht durstigen Pflanzen, lässt man sie während der Fruchtbildung ab und an austrocknen, so reagieren sie mit einer Verhärtung der Tomatenhaut und dies reduziert Ihr Dickenwachstum, was dann später in der Saison darin resultiert, dass die Tomatenhaut reißt oder platzt. 

Tomaten brauchen sehr viel Sonne und um gute starke Früchte auszubilden, sollte man alle paar Tage nachschauen ob es kleine Seitenäste aus den Blattachseln zu brechen gibt. Diese ziehen unnötige Energie aus der Pflanze und verhindern das alle Kraft in die sich bereits formenden Blüten und Früchte geht. Nur die Ampeltomate muss nicht ausgeknipst werden, sie fruchtet auch an den Seitenarmen. Alle anderen Sorten brauchen dringend auch einen Stab, an dem die Pflanze festgemacht werden sollte, damit sie nicht bricht oder umfällt. 

Ja, und nun zum Kleingedruckten. Da diese alten Sorten viel schwieriger zu vermehren und auch die Saaten viel seltener sind, haben diese Pflanzen natürlich auch einen etwas höheren Preis. Aber sollten Sie auf die Idee kommen sie zu verkaufen, so bringt ein Kilo Cherry Tomaten zwischen €16 und €36 und nicht €4,5. Die Wahl ist Ihre.

Bon Appetit!

 

Gabriella Pape

10. Mai 2024

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